Wenn man als »Dramaturg auf Lebenszeit« immerzu gebaut hat - Szenen, Übergänge, Figurenpläne, Pointen, immer auf Methode aus war - Brecht, Stanislawski, Shakespeare, Ganghofer, Strahl und allen voran der Dialektische und Historische Materialismus, dann hat man im Alter Besseres verdient.
Armin Stolper, das DDR-Theaterross, sitzt in Berlin, hoch droben in der Leipziger Straße und mäandert vor sich hin. Er kommt vom Hundertsten ins Tausendste, gerät vom Hölzchen aufs Stöckchen, von Prag nach Paris nach Moskau nach Dresden. Karfreitag, an dem angeblich die Kommunisten kommen sollen, liegt er im Krankenhaus am Rande der Stadt. Aber es ist eigentlich egal, wo er gerade ist und ob er just Brecht, Lenin, Wilhelm Pieck oder Andersen Nexö trifft.
Eigentlich erzählt er stets über 150 Jahre Kommunismus. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Ton da nicht forsch ist, sondern gelegentlich elegisch, bitter jedoch nie. Die »Wende« war für Stolper eine Konterrevolution, alles was folgte, war Verrat, und begonnen hatte alles mit dem ideologischen U-Boot »demokratischer Sozialismus«.
Solche hochstabilen Leitsätze nannte man früher ohne alle Ironie »Grundüberzeugungen«. Sie durchziehen noch sein »Lob des Saufens« und »Lob des Rauchens«. Man kann, man muss sie nicht teilen, um mit Stolpers satirischen Feuilletons Vergnügen zu haben.