
»Neues Deutschland«: Literaturbeilage zur Frankfurter Buchmesse, 9. Oktober 2007
Na, das ist doch mal ein Taschenbuch im wahrsten Sinne des Wortes: Gerade so groß wie eine Hand passt es in jede Jackentasche oder in jedes Handtäschchen. Ideal zum Lesen für unterwegs, in der S-Bahn oder im Wartezimmer. Und der Preis für diese 250 spannenden Seiten ist einfach unschlagbar.Sachkundig und mit viel Sympathie schreibt Eberhard Panitz über Che Guevara, dessen Menschlichkeit und revolutionäre Konsequenz auch fürderhin jungen Generationen Vorbild sein werde. Der Autor zeigt, dass Guevara nicht nur die von ihm propagierte Vision einer kommunistischen Gesellschaft für realisierbar hielt, sondern er sich auch für diese mit aller Konsequenz eingesetzt hat. Bereichert wird die Biografie durch Auszüge aus Tagebüchern, Briefen und Artikeln, vom Autor mit Bedacht ausgewählt und profund kommentiert.
Der Leser kann den Reifeprozess eines sozial engagierten und literarisch begabten Jugendlichen zum Revolutionär verfolgen. Eingestreut sind in die Biografie Zitate von Fidel Castro; kaum einer kannte Che besser als er. Etwas kurz geraten scheint mir der Abschnitt über Guevara als Staatsbankchef und Industrieminister in Kuba. In diesem Amt hatte er immerhin die Möglichkeit, seine Ideen von einer neuen Gesellschaft zu verwirklichen. Inwieweit ihm das gelang bzw. misslang, darüber gibt das Buch keine Auskunft. Unerwähnt bleibt auch, dass Guevara Autor des ersten Agrareformgesetzes der kubanischen Revolution war. Dessen Annahme am 17. Mai 1959 war eine richtungsweisende Entscheidung. Und spätestens mit diesem Gesetz hatte sich Guevara den besonderen Hass des Land- und Industriekapitals Kubas wie auch der USA zugezogen.
Der Schriftsteller Panitz vermag ein lebendiges Porträt seines Helden zu zeichnen. Guevara wusste um seine Fähigkeiten, seine Stärken, sein Charisma; Selbstüberschätzung war ihm dennoch fremd. Er blieb bescheiden und nüchtern, vielleicht zu bescheiden und zu nüchtern. Das schloss Leidenschaft und Begeisterungsfähigkeit nicht aus. Es drängte ihn indes nicht in eine Führungsposition im Prozess der lateinamerikanischen Revolution. Und zweifellos hat Guevara während seiner bolivianischen Mission strategische Fehlentscheidungen getroffen, die schließlich zu seinem tragischen Tod vor nunmehr 40 Jahren führten. Damals starb auch Tamara Bunke, eine Deutsche, die heute fast vergessen ist. Aber nicht von Eberhard Panitz.