»Neues Deutschland« vom 7. Juni 2007

Eberhard Panitz: »Die unheilige Sophia« ist wieder da

Das Ungebändigte
Von Christel Berger

Als das Buch 1974 erschien, war es ein Renner. Kein Wunder, dass es im Jahr darauf von Manfred Wekwerth in Starbesetzung (Renate Richter, Wolf Kaiser, Rolf Ludwig, Dieter Mann, Katja Paryla u.a.) verfilmt wurde.

Der Stoff hatte es in sich: Eine ganz besondere, geheimnisvolle Frau in den Wirren von Kriegsende und Neubeginn. Ungewöhnliches, die Regeln Sprengendes und Ungebändigtes hatte es in dem auf Normen und Wohlverhalten pochenden Staat und seiner Kunst oft nicht leicht, gefördert zu werden. Aber wenn es dann erschienen oder gedreht war, war die Anhängerschaft, die sich nach dem Ungewöhnlichen sehnte, groß.

Nun ist sie wieder da – die »unheilige Sophia«, das Rasseweib mit den roten Haaren und der unbestimmten Herkunft (mit dem Fallschirm sei sie zu Kriegsende eingeflogen! Russisch spricht sie fließend!), von Männern umschwärmt und begehrt.

Die erste rote Bürgermeisterin, von der Roten Armee eingesetzt, überaktiv im Kampf um Saatgut und die Ernährung der Kinder. Voller Lebensgier, die nicht ein Mann allein befriedigen konnte. Überzeugt, dass es eine Gerechtigkeit geben muss –, und das in Zeiten der Not und des Mangels.

Eberhard Panitz hatte die junge schöne Frau so bildhaft beschrieben, dass man Sophia – tanzend, reitend, auf dem Rücksitz des Motorrads, streitend, befehlend – im Kopf behielt. Renate Richters Darstellung im Film vertiefte und bestärkte das. Eine Traumrolle, eine Traumfrau. Im Chaos des Jahres Null nach dem Krieg überragte eine wilde, kühne Frau Trümmer, Lethargie und Hoffnungslosigkeit.

Dabei hatte Panitz Spielraum für Fantasie gelassen. Plötzlich verschwand sie. Widersprüchliche Gerüchte geisterten durch das Dorf. Wenn ich es am Beispiel anderer guter DDR-Bücher nicht besser wüsste, hätte ich gern geschrieben: So etwas ist unverloren, und diesmal stimmt es.

Der kleine Verlag Wiljo Heinen aus Böklund hat sich des Buches angenommen, es – liebevoll aufgemacht – neu herausgebracht mit Bildern aus dem Film und einer Erinnerung Manfred Wekwerths an die Dreharbeiten.

Eberhard Panitz ließ es sich nicht nehmen, in Anbetracht der veränderten Zeiten Prolog und Epilog hinzuzufügen. Wir erfahren nun: An der Stelle, wo Sophias Haus stand, wurde von den neuen Eigentümern ein komfortableres gebaut. Den Leuten im Dorf geht es nicht besonders, um so mehr erinnern sie sich der Legenden um Sophia.