Ob sie nicht drücken würden beim Gehen, wollte der Arzt wissen, der auf der Röntgenaufnahme 14 Granatsplitter im
Bein von Rudi Kurz gezählt hatte – Folgen des Überfalls Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion 1941. „Doch, manchmal, aber nicht beim Gehen. Mehr schon beim Denken. Wenn sie beim Grübeln einen Erinnerungsnerv treffen.“
Rudi Kurz, den exponierten Repräsentanten der Theater- und Filmkunst der DDR, läßt die Erinnerung nicht los. Und er hat eine Menge zu sagen. Sicher noch viel mehr, als das Buch fassen kann. Es trägt den Titel „Das grüne und andere Ungeheuer“, der bei vielen Assoziationen auslösen wird. Richtig.
Es gab diese Filme, die uns in ihren Bann zogen: „Die Spur führt in den 7. Himmel“, „Ohne Kampf kein Sieg“, „Front ohne Gnade“,
„Hans Beimler, Kamerad“, „Artur Becker“ und viele andere. Rudi Kurz kann für sich in Anspruch nehmen, als Drehbuchautor und
Regisseur dieser Filme die moralische und ethische Normen vermittelnde DDR-Kunst mit geprägt zu haben.
Doch er war nicht nur Leiter und Lenker von Bühnen- und Filmproduktionen. Er stand auch selbst als Schauspieler vor dem Publikum und überzeugte durch unbestechliches Engagement, aber auch seinen Schalk, der ihm wohl angeboren ist. Wie sonst könnte man so humorvolle, oft mit witziger Pointe
gespickte Texte verfassen, wie sie Rudi Kurz zu Papier gebracht hat. Dabei handelt es sich um ernste und ernstzunehmende
Schilderungen aus seinem beruflichen und persönlichen Leben, die sicher deshalb eine so packende Wirkung ausüben, weil sich in ihnen der überaus reiche Erfahrungsschatz eines mittlerweile 87jährigen Künstlers, sein reifes Urteilsvermögen, sein unverfälschtes Naturell spiegeln.
Zur Lebensbilanz von Rudi Kurz gehören unzählige Filme, über 40 Theaterinszenierungen von Goethe bis Friedrich Wolf,
mehrere Opernaufführungen, die Arbeit als Hochschuldozent …
Man sollte sein mit vielen Fotos versehenes Buch lesen, um einen Einblick in das reiche, sinnerfüllte Schaffen des Schauspielers, Dramaturgen und Regisseurs zu gewinnen. Es
berührt zutiefst.